14.11.2019

Der lange Fall von Hannover 96

Es ist noch gar nicht so lange her, da konnte man am Donnerstagabend herrliche Spiele in der Europe League mit Beteiligung aus Niedersachen erleben – die Spieler rund um Trainer Mirko Slomka ließen so manchen Gegner sprachlos an der Leine zurück. Das ist alles vielleicht erst sechs oder sieben Jahre. Aber es fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Denn erschreckend wenig ist davon geblieben. Es geht also nicht mehr in Europa gegen Sevilla und Anderlecht, sondern auch nicht mal mehr in Deutschland gegen die Bayern oder Schalke – ganz einfach, weil sich der Verein nach und nach den Wind aus den eigenen Fahnen genommen hat. So verwundert es kein bisschen, dass die Realität nun Abstiegskampf in Liga 2 bedeutet. Wie aber ist es so weit gekommen? Eine Bestandsaufnahme.

Der Fisch stinkt vom Kind ab

Vorweg gesagt: es geht im modernen Fussball natürlich nicht mehr ohne Sponsoren und Investoren, die mit ihrem vielen Geld eine Menge erreichen wollen und können. Klug eingesetzte Reserven können dafür sorgen, dass auch kleinere Vereine immer mal wieder zum großen Sprung ansetzen können, Union Berlin etwa ist ein solches Beispiel, wo mit wenig viel möglich ist. Auch weil die Sponsoren wissen, dass sie sich aus den sportlichen Belangen raushalten sollten. In Hannover...sieht das anders aus. Hier kommt Gesellschafter Kind daher, der zwar auch schon seit über 20 Jahren sehr viel Geld in den Verein gebuttert hat, sonst aber leider keinerlei Wissen und Verständnis vom Fussball hat. Das hält ihn aber natürlich nicht davon ab, links und rechts sein selbst erstelltes Fachwissen zur Verfügung zu stellen. Mit der Folge, dass der Fisch in Hannover sprichwörtlich vom Kopf her stinkt. Denn wenn ein Verein sich innerlich selbst verlegt, dann hat das nur in Ausnahmefällen etwas mit dem kickenden Personal zu tun. Zu dem kommen wir gleich noch. Martin Kind sollte sich also endlich mal hinterfragen um zu gucken, ob seine Bemerkungen zu Spielern, Managern und Trainern in der Vergangenheit vielleicht immer so klug gewesen sind. Denn ansonsten kann es sein, dass der Verein sich schnell am Beispiel der Münchener Löwen oder dem KFC aus Uerdingen orientieren kann als an der Beletage des deutschen Fussballs. Anhand der aktuellen Trainersuche kann man hier wieder feststellen, wie problematisch die Machtverhältnisse in der Landeshauptstadt sind. Denn da immer noch kein gänzlich eindeutiges Trainerprofil erstellt wurde, sind auch die aktuellen Favoriten weiterhin nicht sicher, ob sie sich den Job antun wollen. Nachhaltig und zukunftsorientiert, so denken sich die Macher den Posten – ist es aber leider kaum noch. Denn der Trainerstuhl in Hannover ist ein heißer, und Fußball Nachrichten von 96 sind in der Vergangenheit meist mit Belustigung zu sehen. 

Die Laune vergeht

Nun aber zu den Spielern. Auch hier scheint noch einiges nicht angekommen zu sein. Ein Blick auf die Vergangenheit zeigt, dass rein nominell der Verein durchaus in der Lage sein sollte, wieder aufzusteigen. Klar, mit dem VfB Stuttgart und dem HSV aus Hamburg gibt es große Konkurrenz, aber namhaft ist man auch an der Leine. Nur zeigt sich davon schon nach einer Handvoll Spiele nichts mehr zu zeigen. Kaum ein Zweikampf wird – besonders zuhause – noch aufgegriffen, denn nach sechs Heimspielen ohne Sieg ist logischerweise auch die Stimmung in der Arena hinüber. Man kann jetzt schon davon ausgehen, dass es 2020 mit dem Aufstieg zurück ins Oberhaus nichts wird, denn die anderen Vereine erleben dieses Jahr keine solchen Offenbarungen wie der H96. Ob es aber auch langfristig mit dieser Führung, dieser Erwartungshaltung und diesem Personal reichen wird, sei mal dahingestellt. Denn auch die Konkurrenz schläft nicht. Und so wird es wohl noch länger am Montagabend nach Heidenheim gehen, anstelle vom Donnerstagabend in Manchester. 

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