08.08.2018

Tor! … Oder doch nicht? Wann ein Tor im Fußball gilt und wann nicht

Ein Fußballspiel ohne Tor ist undenkbar. Es stellt ein unverzichtbares Element auf dem Spielfeld dar. Jede der zwei Mannschaften verfügt über ein eigenes Tor. Damit es überhaupt zum gültigen Torschuss kommen kann, müssen erst einmal folgende Bedingungen erfüllt sein. Das Tor muss sich genau in der Mitte der jeweiligen Torlinie befinden und aus zwei senkrechten Pfosten bestehen, die in identischem Abstand zu den Eckfahnen stehen und zudem durch eine Querlatte verbunden sind. Die FIFA-Spielregeln besagen, dass der Abstand der Pfosten voneinander genau 7,32 Meter und der Abstand der Querlatte zum Boden 2,44 Meter betragen muss. Sowohl Pfosten als auch Querlatte dürfen höchsten 12 Zentimeter breit und tief sein. Auch die Torlinie muss über dieselbe Breite verfügen. Zuletzt braucht es ein Netz an den Pfosten und der Querlatte.

Wie Unklarheiten zustande kommen

Alle Abmessungen stimmen, das Tor befindet sich an der richtigen Position und die Torlinie ziert in strahlendem Weiß den Rasen. Eigentlich kann jetzt nichts mehr schiefgehen oder? Dennoch erlebt man im Fußball immer wieder umstrittene Torentscheidungen, bei denen unklar ist, ob der Ball nun über der Linie war oder nicht. Die zehnte Regel der offiziellen Fußballregeln definiert ein gültiges Tor wie folgt: „Ein Tor ist gültig, sobald der Ball die Linie zwischen den Pfosten und der Querlatte in seinem vollen Umfang überquert, ohne dass ein vorangehendes Vergehen des Teams vorliegt, welches den Treffer erzielt hat.“ Das klingt zunächst recht einfach, schließlich besagt sie nur, dass sich ein Fußball von 22 Zentimeter Durchmesser vollständig hinter einer Linie befinden muss.


Aber: Dadurch, dass die Linie zum Spielfeld gehört, ist das Tor selbst dann nicht gültig, wenn der Mittelpunkt des Balls zwar vollständig, aber nicht mehr als 11 Zentimeter hinter der Linie ist. Denn erst dann wäre er mit seinem ganzen Durchmesser im Tor. Für Unklarheiten sorgt auch der Fall, wenn der Fußball nur kurz hinter der Torlinie aufprallt und danach wieder herausspringt. So ist das beispielsweise beim Wembley-Tor und bei den entscheidenden Elfmetern im WM-Finale 2006 geschehen. Die Schiedsrichter müssen blitzschnell entscheiden, ob der Ball drin war oder nicht.

Ergänzt wird die zehnte Fußballregel, die zuvor zitiert wurde, durch eine Anweisung für die Schiedsrichter: „Falls Zweifel bestehen, ob der Ball die Torlinie vollständig überquert hat, kann das Spiel einfach weiterlaufen.“ Obige Ausführungen zeigen aber, dass Zweifel recht oft bestehen. Sie können sogar so weit gehen, dass es mit bloßem Auge unmöglich wird, zu entscheiden, ob der Ball hinter der Linie war oder nicht. Weitere Informationen hier zeigen, dass Schiedsrichter trotzdem einen kleinen Spielraum haben. So dürfen sie, falls sie keine klare Entscheidung treffen können, die Linienrichter um Rat fragen. Meist sehen vier Augen besser als zwei.

Zu früh gefreut

Da nun die theoretischen Bedingungen, die für ein gültiges Tor vonnöten sind, geklärt sind, kann es an die praktischen Umstände gehen. Denn diese bieten auch immer wieder Überraschungen. Vor allem, wenn Tore aus dem Spiel heraus erzielt werden – also nicht durch Standardsituationen wie Freistöße oder Eckbälle – müssen die Schiedsrichter innerhalb von Sekunden über die Gültigkeit eines Spielzugs entscheiden. Der klassische Fall: Abseits. Mannschaft A spielt einen Konter gegen Mannschaft B, indem sie ihrem Stürmer eine Flanke zukommen lässt. Steht dieser Stürmer zum Zeitpunkt des Schusses hinter dem letzten Spieler der Mannschaft B, wird Abseits gepfiffen. Besonders ärgerlich ist, wenn auf diese Weise ein Tor revidiert werden muss. Während die Fans bereits im Torjubel versinken, erklingt ein schrilles Pfeifen aus dem Off und die Kameras schwenken auf einen mit den Armen fuchtelnden Schiedsrichter. Abseits. Freistoß für Mannschaft B.


Ähnlich verläuft es mit Fouls. Auch hier muss der Schiedsrichter entscheiden, ob die Härte, mit der sich ein Stürmer durch die gegnerische Verteidigung kämpft, angemessen ist oder nicht. Nimmt er sich zu viel heraus, darf gepfiffen werden. Selbst dann, wenn der Ball kurz darauf im Netz gelandet ist. Besonders knifflig ist das Handspiel im Strafraum. Einerseits muss es in diesem Fall Elfmeter oder Freistoß geben. Besonders groß ist die Entscheidungslast der Schiedsrichter, wenn der Ball durch ein Handspiel abgefälscht wird und im Tor landet. Auch hier gilt es, sich innerhalb von Sekunden auf einen kurzen visuellen Eindruck zu verlassen.

Etwas kurios, aber dennoch regelkonform, ist der Torschuss beim Anstoß. Theoretisch ist es in den Fußballregeln verankert, dass ein Schuss, der beim Anstoß auf das Tor abgegeben wird und hinter der Torlinie landet, gültig ist. Hierzu benötigt es wie immer zwei Spieler, die den Anstoß ausführen, und zusätzlich einen dritten, der direkt im Anschluss auf das Tor schießt. Unwahrscheinlich, dass diese Methode im Profifußball Früchte trägt. Gestattet ist es trotzdem.

Wann gilt denn jetzt ein Tor?

Eine vermeintlich einfache Regel verursacht einen Wust an Unklarheiten und letztlich bleibt alles an einem Mann hängen: dem Schiedsrichter. Ob der Ball über der Torlinie war oder nicht, ist im Zweifelsfall nichts Objektives, es ist eine subjektive Entscheidung. Darüber, ob der 22-Zentimeter-Fußball vollumfänglich über der Linie war oder nicht, darf der Unparteiische richten. „Tooooor!“ heißt es erst, wenn der Schiedsrichter abwinkt.

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